.manchmal geschehen Dinge.
Am helllichten Tag, wenn ich zum Beispiel in der U-Bahn
fahre, und nichts als Menschen und Handtaschen sich um mich drängen, und sich
der Geruch von Haarspray, Schweiß und Plastiksitzen zu einem Klumpen formiert..
Gesprächsfetzen der Leute in einem wabernden Ohrenbrei
zerfließen. Tunnel und Schiffe, wieder Tunnel und Brücken, Häuser da
draußen.Anhalten und losfahren, Karstadttüten, immer weiter fahren, das Fernweh
ergreift mich am Hafen, doch ich fliege davon,
will nicht aussteigen, immer hin und zurück von einer Endstation zur
nächsten.
Wer zwingt mich ?
Jemand spricht mich an, zeigt mir Fotos von Mallorca, ich
frage mich ob er mir gleich einen Heiratsantrag machen wird, ich weiß, dass mir
Tennissocken zuwider sind.
Mein Blick kreuzt den einer schönen Frau, sie sitzt schräg
gegenüber am Fenster. Es ist Sommer, das sieht man an ihrem Kleid.
Ihre dunklen Augen so feurig bohren sich in meinen Mund, ihr
wildes schwarzes Lockenhaar umweht mein Gesicht, ungebändigt, wickelt mich
ein.betört meine Sinne.Nebeldüfte machen mich blind.Münder und Lippen
verschmelzen, welches ist ihr Mund, welches ist mein Mund? Ich kann gar nichts
mehr erkennen vor lauter Lippenstift und Spitzenwäsche. wo ist ihr Kleid, eben
hatte sie doch noch ein Kleid an?
Aber dann zeigt er mir noch mehr Fotos von Mallorca.
Ich glaube, es ist dunkel geworden.
Schon wieder Endstation.
Soll ich jetzt doch mal aussteigen?
Jana Lady Lou